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Überwachungskamera zum Billigtarif

Überwachungskamera zum Billigtarif

Weil wir unsere Parzelle direkt an der Außengrenze zur Rietzschke haben, gibt es immer wieder Anzeichen dafür, dass Menschen eingesteigen und sich Dinge einfach mitnehmen, die sie grad brauchen könnten oder hübsch finden.

Unsere Feuerschale oder z.B. auch diesen roten Bollerwagen: Wir hatten aus dem Baumarkt an diesem einen Samstag Pflanzerde geholt und es am gleichen Tag nicht mehr geschafft, diese zu verteilen. Am nächsten Tag lagen die Säcke mit der Erde auf dem Boden, der Bollerwagen war verschwunden. Natürlich greift hier keine Versicherung, wenn gestohlene Gegenstände nicht ordnungsgemäß weggesperrt wurden.

Und dennoch ist das ärgerlich: Ich werde wohl nie verstehen, wie man an einem Grundstück vorbei gehen kann, etwas sieht, das man grad gebrauchen könnte und dann einfach über einen Zaun hopst, um sich dieses Gegenstandes zu bemächtigen.

Ich denke deshalb schon sehr lange über eine Überwachungskamera als Beweismittel für eine Strafanzeige nach und habe da sehr spezielle Vorstellungen:

  • Ich will eine moderne Kamera mit einigermassen vernünftiger Auflösung und Restlicht für dunkle Zeiten (nachts).
  • Die Kamera soll mich informieren, sobald Bewegung stattfindet. Aber bitte nicht bei jedem Grashalm-Wackler, sobald der Wind geht.
  • Die Kamera soll Bilder über das Mobilfunknetz übertragen können: WLAN ist in der gesamten Umgebung nicht vorhanden und ich verfüge bereits über eine zweite SIM-Karte und genügend Datenvolumen in meinem Mobilvertrag für genau diesen Zweck.
  • Kamera-Bilder sollen direkt in eine eigene Cloud übertragen werden.
  • Bestenfalls soll die Stromversorgung über einen Solarpanel erfolgen.

Zwischenzeitlich habe ich dutzende von Angeboten recherchiert. In den meisten Fällen wird Hardware verkauft, die entweder

  • nur lokal abspeichert (Nachteil: Entdeckt ein Einbrecher deine Kamera und/oder zerstört sie, sind die Bilder weg)
  • einen SIM-Karten-Vertrag enthält: Wozu? Ich habe das längst gelöst!
  • eine eigene Cloud verkaufen möchte. Auch das brauche ich nicht, weil ich selbst eine eigene Cloud habe und es genügend andere freie Möglichkeiten gibt.

Ich bin nun – komplett durch Zufall – auf eine geniale und sehr preiswerte Lösung gestossen, die zumindest für mich super funktioniert:

Benutze ein altes Android-Telefon als Überwachungskamera!

Es gibt tatsächlich Apps, die dich die Kamera deines alten, nicht mehr benötigtes Android-Telefons als Überwachungskamera benutzen lassen, z.B. Alfred oder SCamera. Aus unerfindlichen Gründen habe ich mich für SCamera entschieden, bin davon sehr angetan und möchte meine Erfahrungen damit mit Euch hier teilen.

Voraussetzung ist mindestens Android 6 zum installieren der App. In meinem Fall war das Telefon ein ZTE Blade A3 mit Android 11 welches gefühlt von 1945 stammt: Alles läuft prima, allerdings ist die Kamera wirklich furchtbar. Und natürlich hängt die Bildqualität auch vom Alter des Endgerätes und von der eingesetzten Kamera ab.

So kann man die Nachtsicht komplett vergessen, selbst wenn der Bewegungsmelder anschlägt. Ich versuche das mit zwei Solarspots (ebenfalls mit Bewegungsmelder) etwas zu kompensieren.

Die App an sich ist im übrigen kostenfrei und finanziert sich offenbar durch Werbung, die manchmal echt nervt – zumal nur TEMU-Werbung eingeblendet wird.

Man installiert zunächst die App auf dem alten Smartphone und richtet es als Kamera ein. Um überhaupt auf den Google Play Store zum Herunterladen der App zu kommen, benötigst du ein Google-Konto. Lösche oder deaktiviere alle Apps, die du für diesen Zweck nicht benötigst, um Energie, Speicherplatz und damit letztlich CO² zu sparen.

Erteile der App aber unbedingt die Erlaubnis, deinen Standort ausmachen zu dürfen! Damit kannst Du ein Feature aktivieren, das dich nicht selbst bei der Gartenarbeit pausenlos filmt oder fotografiert, solange du dein monitorendes Handy bei dir trägst (siehe unten) 😉

Auf deinem regulären Smartphone istallierst du dir die gleiche App und öffnest sie als sog. „Monitor“. Damit kannst du nun deine Überwachungskamera ansteuern.

Das alte Handy hängst du nun im Garten an einer möglichst uneinsichtigen Stelle auf, möglicherweise in einer Hecke. Wenn das alte Gerät nicht wasser- und staubdicht ist, sorge dafür, dass es vor Wettereinflüssen geschützt wird.

Vergiss die Idee, das alte Handy komplett über den Akku laufen zu lassen: Du müsstest wahrscheinlich täglich zum Aufladen in den Garten gehen. Besser ist es, das Smartphone ständig an der Stromversorgung hängen zu lassen (ca. 1,50 EUR pro Jahr) oder auf eine autarke Solarstromversorgung mit USB-Anschluss zurückzugreifen.

In der App selbst können verschiedene sehr interessante Features angesteuert werden: So kann man bei Bewegungsfeststellung einen Signalton auswählen, der mit größter Laustärke über das alte Handy ausgesendet wird. Man kann sich auch mit den Einbrechern per Lautsprecher unterhalten oder die Taschenlampenfunktion einschalten. Wer das eben so haben will ^^

Für mich wichtige Funktionen:

  • Die Sensibilität der Bewegungserkennung ist einstellbar. Das muss man ausprobieren, bis die sich bewegenden Äste der Kirsche im Wind nicht mehr erkannt werden, stattdessen aber der Waschbär, der sich im Kirschbaum versteckt 😉
  • Fotos oder kurze Videosequenzen können in der Google-Cloud „Drive“ abgespeichert werden statt nur auf dem Monitor-Handy zu landen. Ich kann damit diese Daten komplett offen im Internet freigeben und Einbrecher oder auch Wildtiere per QR-Code darauf aufmerksam machen: „Mach gern meine Kamera kaputt, brich in meine Hütte ein und erlebe dein Gesicht direkt hier: [URL]. Die Fotos werden für eine polizeiliche Anzeige benutzt.“

Summa summarum bin ich mit dieser Lösung zunächst einmal sehr zufrieden. Wahrscheinlich lege ich mir im Lauf der Zeit noch ein Smartphone mit einer besseren Kamera zu.

Achte bitte darauf, dass deine Installation konform zu https://www.datenschutz.sachsen.de/videoueberwachung-im-kleingarten-6479.html ist.

Viel Spaß beim selbst ausprobieren!

Es hat alles nicht so funktioniert, wie ich dachte

Die hier dargestellte Idee der Überwachung per Smartphone-Kamera war mal interessant. Letztlich scheitert das an zwei wesentlichen Punkten

  • Das Smartphone überhitzt spätestens im Sommer und verweigert damit irgendwann den Dienst oder kann sogar Auslöser eines ausbrechenden Feuers in der hölzernen Gartenlaube werden.
  • Kein Smartphone dieser Welt arbeitet mit Infrarot-Kameras, versagt also genau in der Nacht, in der der Einbrecher einsteigt. Bei völliger Dunkelheit funktionieren halt auch Restlicht-Rezeptoren nicht mehr zuverlässig.

Letztlich habe ich mir dann doch eine Kamera mit IR (Infrarot) und Solarversorgung gekauft und installiert. Sowohl IR als auch Stromversorgung funktionierten sehr fein auch durch den Winter hindurch.

In die Kamera lassen sich sowohl SD- als auch SIM-Karte installieren, über die man per spezieller App Zugriff bekommt. Allerdings unterstützt die Kamera ausschliesslich die eigene Cloud, die mit 20 EUR pro Jahr zu Buche schlägt.

Arbeitet man mit Überwachungskameras, ist es nicht ausreichend, ein entsprechendes Warnschildchen anzubringen. Auf dem Schild müssen von Gesetzes wegen auch Zweck der Überwachung und ein Impressum angebracht werden. Es ist nirgends eindeutig geregelt, wo diese Schilder angebracht werden müssen.

Ich habe mich dafür entschieden, das Schild mit einem QR-Code-Aufkleber zu versehen, der hierher linkt: https://marco-steinhaeuser.de/zweck-der-video-uberwachung-und-verantwortlichkeit und in drei Sprachen (in denen ich ansprechbar bin) den Zweck der Videoüberwachung erklärt und auf meine schnellen elektronischen Kontaktdaten verweist.

Das Schild selbst habe ich sowohl an meiner Gartentür angebracht wie auch an dem Punkt am Außenzaun, der in meinen Augen am vulnerabstlen für mögliche Einstiege sein könnte. Ich habe mehrere solcher Schilder als Ersatz für Vandalismus in der Schublade, an die man nur herankommt, nachdem die Kamera schon identifiziert hat.

Summa summarum: Nicht ganz das was ich wollte, dennoch eine gute Hürde für Einbrecher. Meine bisherigen Opfer: Füchse, Waschbären, Steinmarder (Rätze) wie auch die schwarze Katze Nala 😉

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